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3 steile Thesen

3 steile Thesen, warum die einen gewinnen – und die anderen nicht

Autor

Martin Weiss

Datum

11 Mai 2016

Kategorien

Ich befürchte, dass ich heute eine ganze Reihe von Leuten vor den Kopf stoßen werde.

Das tut mir leid.

Aber es tut dennoch: not.

Denn ich möchte 3 steile Thesen aufstellen, warum viele Menschen in einer Misere gefangen sind.

Wie wichtig das Thema ist, möchte ich anhand einiger Zahlen aus dem Spiegel (Mai 2016) verdeutlichen.

1983 gehörten rund 78 Prozent der 30 – 45 jährigen zur so genannten Mittelschicht.

2013 waren es jedoch nur noch 64 Prozent.

Was war mit den 14% geschehen?

Die eine Hälfte wanderte in die Zone der niederen Einkommen ab. Die Andere stieg indes zu den Besserverdienenden auf.

Wie das möglich ist, darüber streiten die Schriftgelehrten: Waren es politische oder wirtschaftliche oder gesellschaftliche Gründe? Oder alles drei zusammen?

So löblich diese Betrachtungen auch sein mögen, sie helfen meines Erachtens nicht, die Probleme zu lösen.

Im Gegenteil:

These 1: Wer äußere Kräfte für die eigene Situation verantwortlich macht, macht sich macht-los.

Zugegeben: Unser Leben wird von wirtschaftlichen und politischen Trends und Strömungen bestimmt, die wir maximal ein bisschen, in den meisten Fällen aber auch gar nicht beeinflussen können.

Wir haben deswegen unsere Herausforderungen nicht immer selbst verursacht – und doch tragen wir für sie: Ver-Antwortung.

Wie wir auf Schwierigkeiten reagieren, sie also „be-antworten“, macht dabei den Unterschied.

Das gilt meines Erachtens auch für die 14 Prozent Mittelschicht, die jeweils zur Hälfte in die niederen oder höheren Einkommensregionen entschwunden ist.

Die einen haben bemerkt, dass sich die wirtschaftlichen Regeln geändert haben. Die anderen nicht.

Ein Beispiel: In den Neunzigern kamen die ersten Computer für Grafik-Design auf den Markt.

Einige Designer waren begeistert, viele rümpften die Nase.

Erstere erkannten und (!) ergriffen die Chance. Letztere verschlossen sich der Entwicklung – und gehörten binnen weniger Jahre zum alten Eisen.

Das ist der Lauf der Dinge.

Man kann das beklagen, man kann sich darüber aufregen — ändern wird es die Natur des Lebens nicht.

Und das bringt mich zu

These Nummer 2: Das Leben ist im Kern innovativ, experimentierfreudig und kreativ.

Das Leben erfindet beständig etwas Neues. Die wundersamen Welten der Mode, Musik, Kunst, Technologie oder Wissenschaften belegen diese Innovationsfreude tagtäglich.

Das war schon immer so. Und das wird auch so bleiben.

Und die Frage lautet nicht, ob das gut oder schlecht ist. Sondern wie man das nutzen kann.

Lass mich dazu ein Beispiel zitieren, wie man es tunlichst nicht machen sollte.

So schrieb mir vor einigen Tagen ein guter Bekannter: „90% Deiner Angebote finde ich großartig, Martin. Aber 10% machen mich wütend: Warum hängst Du Apple, Amazon, Facebook, Twitter usw. den „blauen Weltenretter- Engel“ an? Für mich treiben diese IT-Milliardäre die Menschen in eine digitale Sklaverei“.

Zum Beispiel: „Facebook ermuntert Menschen dazu „ihre Freunde“ zu offenbaren, damit sie ihre digitalen Briefkästen für Werbung öffnen. Selfie Kultur und Exhibitionismus werden gefördert oft vorbei am Einfluss der Eltern.“

Vorab: Ich mag meinen guten Bekannten.

Ich verstehe, warum er wütend ist.

Und ich weiß, dass er es wirklich gut meint.

Aber er stempelt sich und andere mit diesen Worten zu einem Opfer ab.

Schlimmer noch zu einem: Sklaven.

Da haben wir wieder These Nummer 1: Wer äußere Kräfte für die eigene Situation verantwortlich macht, macht sich macht-los.

Auf das Gefühl der Machtlosigkeit gibt es im Kern nur zwei Reaktionsmuster.

Die einen resignieren. Die anderen werden sauer.

Mein guter Bekannter hat sich für letztere Variante entschieden.

Wut ist wirklich nichts weiter als die natürliche emotionale Reaktion, wenn man sich jemanden unterlegen wähnt.

Nicht die IT-Milliardäre sind für meinen guten Bekannten das Problem.

Sondern seine Gedanken, die ihn in einer Spirale aus Ohnmacht und Wut gefangen halten.

Und das letzte, was in diesem Dramaland-Gedankengefängnis sprießen kann, sind Optimismus, Wohlwollen, Vertrauen, Mut und Handlungswillen.

Genau die Zutaten, die man benötigt, um eine schwierige Situation zu etwas Besserem zu wenden.

Stattdessen verstricken sich viele Menschen in einer Spirale von Unmut, Ablehnung und Zorn, die das Wichtigste verhindern, was man in Zeiten des Umbruchs braucht: Sich für den kreativen Prozess des Lebens zu öffnen.

Fakt ist, dass Leben nur entstehen kann, wenn es sich vernetzt.

Atome vernetzen sich zu Molekülen vernetzen sich zu Zellen vernetzen sich zu Körperteilen vernetzen sich zu einem Menschen vernetzen sich mit anderen Menschen – und die bauen dann Netzwerke, die es Dir genau jetzt in diesem Augenblick ermöglichen, dass Du diese Worte lesen kannst.

Leben ist Vernetzung, und deswegen entspringen Computer, SmartPhones und Soziale Netzwerke einem tieferliegenden Drang, der vom Leben gewollt ist und so oder so geschehen wird.

Man kann über diesen Trend lamentieren, besser wäre es jedoch, sich zu engagieren. Auf die Unternehmen zuzugehen und sich auf einen Diskurs einzulassen.

Denn mein guter Bekannter hat selbstverständlich recht: Die genannten Firmen machen Fehler.

Es steht außer Frage, dass Facebook sich datenschutzrechtlich viele Böcke erlaubt hat. Es ist aber ebenso richtig, dass sie aufgrund von Protesten und Initiativen vieles geändert haben.

Damit Initiativen etwas bewegen können, benötigen sie Menschen mit Selbstvertrauen und Optimismus, dass sie etwas bewegen können.

Das bringt mich zu

These 3: Wenn wir gewinnen wollen, brauchen wir die Bereitschaft uns auf das Spiel des Lebens einzulassen.

An Facebook und Co kommen wir nicht vorbei.

Warum also nicht die enormen Chancen zu erkennen, die sie uns bieten?

Warum sich nicht dem Leben öffnen und lernen, wie man seine enorme kreative Wucht nutzen kann?

Was meinst Du dazu?

Findest Du meine Thesen zu gewagt?

Schreibst Du mir, was Du denkst?

36 Kommentare

  1. Gunnar

    Hallo Martin,
    ja, ich halte Deine Thesen für zu steil.
    Ich bin bei Dir, wenn Du über die Eigenverantwortlichkeit des Menschen sprichst und davon, dass die Ursachen oft anders liegen als geäußert.
    Auf den fahrenden Zug aufzuspringen und hoffen, dort die Richtung zu verändern, hat schon bei den 68igern nicht funktioniert. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es auf internationaler, global vernetzter Ebene heute anders sein sollte. Ich will Dir allerdings Deine Hoffnung nicht rauben.
    Sollten die Menschen sich mal umfassend um ihre Interessen kümmern, wird es diese Konzerne in dieser Form einfach nicht mehr geben (können). Voraussetzung dafür ist Bildung, Information, Selbstbewußtsein und der Wille, die Dinge um einen herum zu gestalten.
    Der Ansatz mit der Eigenverantwortung, der Verstärkung der Information und dem Schaffen eines größeren Selbstbewußtseins ist durchaus erfolgsversprechend. Dafür brauchst Du aber eine Menge Multiplikatoren und Unterstützung. In einem bescheidenen Umfang kann ich Dir sicher dabei helfen, wen Du möchtest. Aber nur wenn genügend Mensschen, eine kritissche Masse, mitmacht, wird es fast ein Selbstläufer. Das Ganze kann sich dann aber auch verselbständigen und völlig aus dem Ruder laufen, so dass Du hinterher frustrierter sein könntest als jetzt schon. Auch darüber solltest Du vielleicht einmal nachdenken.
    Liebe Grüße
    Gunnar

    Antworten
    • Martin (Big Shift)

      „Auf den fahrenden Zug aufzuspringen und hoffen, dort die Richtung zu verändern, hat schon bei den 68igern nicht funktioniert.“
      Tatsächlich?
      Das sehe ich anders.
      Die 68ger haben sich ja, mal grob gesagt, in 3 Richtungen unterteilt: Zum ersten waren da die Leute, die das System abgelehnt haben und dann ausgestiegen sind.
      Zum zweiten diejenigen, die zur RAF gegangen sind und das System mit Gewalt verändern wollten. Wohin das geführt hat, haben wir ja gesehen.
      Und zum dritten diejenigen, die sich ins System eingebracht haben. Das sind die Leute gewesen, die dafür gesorgt haben, dass unsere Umwelt nicht mehr so stark verpestet wird, dass Frauen mehr Gleichberechtigung erhalten und dass neue Formen der Energiegewinnung entwickelt werden.
      Natürlich ist der Prozess noch nicht abgeschlossen, und selbstverständlich kann noch viel mehr für Gleichberechtigung und Umweltschutz getan werden.
      Aber es hat sich in den letzten 30 Jahren eine Menge verändert.
      Und eines ist sicher: Weder diejenigen, die meinten, für ihre Ziele Gewalt anwenden zu müssen noch diejenigen, die weggegangen sind, haben das erreicht.
      Die Einzigen, die das geschafft haben, waren die, die sich ins System eingebracht haben.
      Insofern kann ich Dir an diesem Punkt nicht zustimmen.
      Wo ich Dir jedoch Recht gebe: „Aber nur wenn genügend Mensschen, eine kritissche Masse, mitmacht, wird es fast ein Selbstläufer. Das Ganze kann sich dann aber auch verselbständigen und völlig aus dem Ruder laufen, so dass Du hinterher frustrierter sein könntest als jetzt schon.“
      Ich sehe „Es ist mein Leben“ als meine Antwort auf die aktuelle Situation an.
      Ob er etwas bewirkt?
      Keine Ahnung.
      Meine Vermutung ist, dass von 100 Teilnehmenden maximal 5 bis 10% die Inhalte des Kurses nutzen und etwas in ihrem Leben bewegen. Wobei vielleicht auch diese Prognose zu optimistisch ist.
      Aber selbst wenn nur 1% oder nur 0,01% etwas mit dem Kurs in ihrem Leben erreichen, würde es mir genügen.
      Ich muss die Welt nicht retten.
      Aber ich bin dem Leben so enorm dankbar, denn es hat mich so oft gefördert und mir Dinge ermöglicht, von denen ich früher nur geträumt habe.
      Und ich bin unglaublich vielen Menschen dankbar, die mich gefördert haben, als es mir nicht so gut ging.
      Diesen Dank kann ich nicht angemessen in Worte fassen. Aber wenigstens kann ich mich durch Taten erkenntlich zeigen. Und das ist alles, was für mich zählt.
      Gunnar: Ich danke Dir sehr für Deinen Beitrag!

  2. Stefan

    ich finde Deine drei These beschreiben passive Lebenshaltungen. Ich vermisse einen aktiven Anteil mit nach vorne gehen.

    Antworten
    • Martin (Big Shift)

      Verantwortung zu übernehmen und ja zum Leben zu sagen, finde ich nicht passiv. Im Gegenteil. Ohne diese beiden Schritte kommen die Leute entweder gar nicht ins Handeln. Oder sie agieren sehr destruktiv, weil sie sich über andere aufregen, alles niedermachen und schlechte Stimmung verbreiten.

  3. Ilona Marieluise Richtermeier

    Lieber Martin, Danke für diesen Anstoß mit Deinen 3 Thesen! Großartig wieder!
    Die Erwähnung von Facebook ließ mich an die Anfänge des Autos oder der Flugzeuge denken. Amazon mit seinem Affiliateprogramm eröffnet vielen Hoffnungslosen auf dem Arbeitsmarkt Möglichkeiten, es ermöglicht auch sehr bewussten jungen und älteren Erwachsenen, als (digitale) Nomaden und Eroberer ihrer Welt zu leben, diesen wunderschönen Planeten zu erkunden, was vor 50 Jahren nur Eliten vorbehalten war.
    Die alten Erfindungen haben uns erdgebundenen Lebewesen auf diesem Planeten viel, viel Mobilität gebracht und damit so richtig unsere Lebensqualität gesteigert. Sie und alle die wir sie nutzen sind gleichzeitig Verursacher von Umweltschäden. So auch die neuen Erfindungen wie facebook und Consorten. Wir sind mit der ganzen Welt vernetzt, das ist gigantisch. Beispielsweise gingen meine Kinder vor 20 Jahren nach dem Schulabschluss auf Weltreise, und ich hörte oft monatelang in dieser Zeit nichts von ihnen. Ich sehe Kinder aus Freundesfamilien heute überall in der Welt, und sie sind so nah mit ihrem Zuhause über die inzwischen für alle nutzbare Medientechnik verbunden, dass die Entfernung keine Rolle spielt. Man kann trotz großer Entfernungen an den gegenseitigen Entwicklungen Teil haben. Doch auch bei den neuen Medien, auch im Windschatten von Facebook und Amazon gibt es ungute Entwicklungen, Auswüchse und Erscheinungen, wie wir alle hinlänglich wissen. Aber im Vordergrund bleibt die Erweiterung unserer Lebensqualität, Reduktion von elterlichen Ängsten bei Weltreisen der Kinder durch schnellen Informationsaustausch –um nur einen ganz kleinen Bereiche zu nennen.
    Wir als Trainer können in unserer Arbeit über neue Entwicklungen und Erkenntnisse sachlich informieren. Das heißt auch, zu ermutigen,
    – das Gute jeder neuen Erfindung zu sehen, mutig auszuprobieren, zu nutzen und dadurch eigenen Erkenntnisgewinn zu kreieren. Erst dadurch kann geholfen werden, das Neue weiter zu entwickeln. Verständnis entsteht durch Anwendung und Gebrauch, nicht durch panische Zurückeisen. Nur in der Anwendung fallen Schwachstellen und Fehler auf;
    – aufmerksam und wach zu bleiben für Auswüchse, die sich, wenn man sie nicht kontrolliert, vielleicht negativ etablieren können. Solche Ideen sind sofort zu überprüfen. Und das fällt uns Menschen schwer, wenn man grad so schön am Verdienen ist. Solche Widersprüche müssen wir früh erkennen lernen, was heißt: das Neue nutzen aber auch gleichzeitig distanziert drauf zu schauen und ungute Programmierungen aufzulösen, umzulenken;
    – für die neuen Erkenntnisse und Überzeugungen seine Stimme zu erheben und in Worte zu kleiden, was erkannt wurde, für das, was so nicht weitergehen kann, Folgen aufzuzeigen;
    – das heißt auch für viele: zuhören können, hinhören, wahrnehmen. Diese Fähigkeiten sind zu trainieren;
    – nicht alles gleich zu verurteilen und abzuweisen, was man noch nicht kennt.
    Alle diese Fähigkeiten können erlernt und weiter ausgebaut, trainiert werden. Wir haben viele Kollegen, die das leisten könnten.
    „Ich suche mir immer Leute, die mir sagen: Was du machst, ist total bescheuert. Denk noch mal nach. So kommen gute Ideen zustande.“
    (Bertrand Piccard (*1958), Schweizer. Psychiater u. Ballonfahrer)
    Meine 5 Cent zur Mitarbeit hier:
    GEDANKEN LENKEN
    Seminare/Workshops/Lectures zu Bedeutung und Auswahl der Menschen, mit denen sich mensch umgibt – oder so ähnlich, und vielleicht noch ganz anders :-))
    Liebe Grüße in die Runde, erholsame Feiertage, Ilona

    Antworten
    • Maren Wolf

      Liebe Maria,
      ich habe so geweint, als ich mir die Beiträge angesehen und gelesen habe. Das ist das was jeder Mensch wirklich will: Liebe! Jeder! Liebe zu sich selbst, zu den anderen, zur Erde. Ein offenes großes Herz verbunden mit einem klugen Verstand. Die jetzige Religion des Verstandes gerichtet auf wirtschaftliche Interessen macht alleine nur alle krank und ruiniert unseren Planeten. Eine neue Religion aus einer Verbindung von Herz UND Verstand zum Wohle aller ist eine schöne Vision für unsere Zukunft. Mögen sich unser Herz und unser Geist in Zukunft so schnell entwickeln wie die Technik in den letzten Jahrzehnten, dann wäre viel gewonnen. Coaching leistet da einen wichtigen Beitrag.
      Maren

  4. Ulrike

    Hallo Martin,
    auch ich habe mit Spannung deine „Thesen“ gelesen.
    Gewagt finde ich diese keineswegs… eher flach als steil.
    Beginnt mit der Headline: „warum die einen gewinnen – und die anderen nicht“
    Wo es Gewinner gibt muss es zwangsläufig auch Verlierer geben. Denn was wäre ein „Gewinn“ wenn es nur Gewinner gäbe?
    Liegt unsere Verantwortung -als Teil der Gesellschaft- nicht auch in unserem Verhalten den „Verlierern“ gegenüber? Liegt diese darin, die „Verlierer“ zu „Gewinnern“ zu machen? Ich denke nicht. Ich denke eher, dass wir mit einer Portion Akzeptanz schon einen Anfang haben…
    Okay, du hast dir das (wohl) zur Aufgabe gemacht, den Menschen, die das wollen und nicht recht wissen wie, dabei zu helfen. Das ist in Ordnung, es wird dich wohl glücklich machen und ein Gewinn für dich sein.
    Zu These 1:
    Bin ich bei dir. Wenn ich es so verstehe: das „verantwortlich machen“ gleich bedeutet, die Verantwortung abzugeben und nichts zu tun. (Obwohl eine Nicht-Antwort ja auch eine Antwort ist. In dem Sinne „Nichts ist auch etwas.“ Aber das geht zu sehr in die Philosophie. Sorry.) Du schriebst ja „…die wir maximal ein bisschen, in den meisten Fällen aber auch gar nicht beeinflussen können.“
    …ganz zu schweigen von den Imponderabilien des Lebens.
    „Die einen haben bemerkt, dass sich die wirtschaftlichen Regeln geändert haben. Die anderen nicht.“
    Naja… die anderen werden es auch bemerkt haben, aber wie du schon ausführtest, die einen haben eben so darauf geantwortet und vielleicht etwas eher und die anderen eben anders oder zu spät.
    Welche Antwort nun, in deinem Sinne, gewinnbringend war, weiß doch vorher keiner.
    Und ja, genau das macht den Unterschied. Es gibt doch nicht nur Positiv-Beispiele a ´la Steve Jobs oder Grafik-Computer. Es gibt genügend Beispiele die schlicht „in die Hose“ gegangen sind, bei deren für-Entscheidung sich die Menschen total verschuldet haben. (Beispiele findet man auf Erfinder-Messen zur Genüge.)
    Ja klar, ich vermute jetzt, dass du antwortest: Umgib dich mit positiven Vorbildern, positiv denkenden Menschen… dann… Keine Sorge, ich bin ein absolut positv denkender Mensch – und manchmal klappt es sogar mit dem Handeln. Jepp.
    Wie wir auf Schwierigkeiten antworten, wie wir Probleme lösen, bzw. wie wir es gelernt haben, dazu hat Prof. Gerald Hüter, den du ja schon interviewt hast, vieles ausgeführt. (vielleicht sogar in diesem Interview, bin mir nicht sicher)
    Oder wir haben es eben nicht gelernt – und dann ist es richtig schwer. Klar, das ist der Lauf der Dinge… (3 Euro in das „Phrasen-Schwein“ werfe; nach dir)
    das bringt mich zu These Nr.2:
    „Das Leben ist im Kern innovativ, experimentierfreudig und kreativ.
    Das Leben erfindet beständig etwas Neues.“
    Finde ich total plakativ und eigentlich falsch. Das Leben ist doch nicht kreativ! Es sind doch die Menschen, die beständig etwas Neues erfinden!
    Wenn ich eine Erfindung -bleiben wir bei facebook, vielmehr bei den „Böcken“- nicht gut finde, so bin ich doch nicht gleich Opfer! …oder Sklave!?!
    (ein Opfer ist eine geschädigte Person)
    Ich kann es dann akzeptieren und mich darauf einstellen, dass es so ist, oder ich kann eine Wut entwickeln, weil es mich total nervt, und erst dann (!) schreibe ich facebook einen Brief. – Aber, mal ehrlich: dann könnte ich nicht nur facebook schreiben, sondern auch Herrn Putin, Herrn Erdogan, VW, Opel, der Deutschen Bank, der Deutschen Bahn, Frau Merkel und fast jedem ihrer Minister, und… und… und…
    Bringt mich das weiter? – kopfschüttel. Also Akzeptanz und Wohlwollen.
    „…um eine schwierige Situation zu etwas Besserem zu wenden.“
    auch so plakativ. Eine schwierige Situation kann man lösen, oder sie löst sich selbst…auf. Aber zu etwas „Besserem wenden“ !?! Besser als was? Reichen nicht gute Lösungen?
    „Fakt ist, dass Leben nur entstehen kann, wenn es sich vernetzt.“
    In Biologie gut aufgepasst.
    „Leben ist Vernetzung“
    Blödsinn! Vernetzung ist eine Art das Leben zu gestalten.
    „…einem tieferliegenden Drang, der vom Leben gewollt ist“
    Nee! Die Menschen haben es erfunden und die Kunden haben es gewollt, also gekauft. (reines Marketing)
    Als ich 14 Jahre alt war, ja klar, da hatte ich auch schon einen „tieferliegenden Drang mich zu vernetzen“. Dann bin ich Samstag Nachmittag zu meiner Freundin gelaufen, habe an der Tür geklingelt und wir sind durch die Stadt in den Park gegangen und haben noch richtig miteinander geredet. Da konnten wir noch echt live erleben, wie Freude, Spaß und Trauer beim anderen aussieht. Finde ich heute auch nicht uncool. -im Gegensatz zu adden, liken und followen.
    Das bringt mich zu These 3:
    Was wollen wir denn gewinnen? Welchen Wettstreit? Gegen wen? – und: es gewinnt nur der Erste. Der Zweite ist schon unterlegen, wenn er nach vorne blickt…
    Nein, ich sehe das Leben auch nicht als Spiel! Denn das birgt die Möglichkeit, es zu VER-spielen. Dafür ist es mir zu kostbar.
    PS: Es ist alles gut. Ich bin ein positiv denkender Mensch, bin kreativ, hilfsbereit auch ohne Gegenleistung, habe Ziele -wöchentlich, monatlich und auch mindestens ein Leuchtturm-Ziel. Es gibt Dinge, die würde ich gern ändern, vermag es aber nicht. Dann hilft mir Toleranz, Akzeptanz und der Blick von der anderen Seite meist weiter.
    Viele Grüße und gutes Gelingen bei deinen weiteren Vorhaben
    Ulrike

    Antworten
    • Martin (Big Shift)

      Liebe Ulrike
      danke für Deine Meinung, die sich von meiner vor allem in einem Punkt deutlich unterscheidet.
      Du bist in einem Sieger/Verlierer Denken zuhause. So schreibst Du: „Wo es Gewinner gibt muss es zwangsläufig auch Verlierer geben.“
      Nein. Muss es nicht.
      Zwar gibt es in Deinem Sieger/Verlierer-Denken in der Tat nur einen Sieger und viele Verlierer.
      Ich bin jedoch in einem Gewinner-Denken zuhause, bei dem viele gewinnen können.
      Das ist nicht Deine Welt. Das ist mir klar. Denn Du schreibst: „Was wäre ein „Gewinn“ wenn es nur Gewinner gäbe?“
      Meiner Meinung nach wäre das eine Welt, in der es sich gut leben ließe.
      Und die auch dringend notwendig ist, denn was das Sieger/Verlierer Denken bringt, sehen wir jeden Tag in den Nachrichten.
      Weiter schreibst Du: „Liegt unsere Verantwortung -als Teil der Gesellschaft- nicht auch in unserem Verhalten den „Verlierern“ gegenüber? Liegt diese darin, die „Verlierer“ zu „Gewinnern“ zu machen? Ich denke nicht.“
      Du meinst also, sie sollten „Verlierer“ bleiben?
      Und dann schreibst Du: „Ich denke eher, dass wir mit einer Portion Akzeptanz schon einen Anfang haben…“
      Im Klartext: Erst sollen wir die Menschen zu Opfer abstempeln. Sie aber dann dafür akzeptieren.
      Das ist ebensowenig Meins wie die Aussage: „Okay, du hast dir das (wohl) zur Aufgabe gemacht, den Menschen, die das wollen und nicht recht wissen wie, dabei zu helfen. Das ist in Ordnung, es wird dich wohl glücklich machen und ein Gewinn für dich sein.“
      Wir haben (nicht nur) in Deutschland eine Schere zwischen Arm und Reich, die immer weiter aufklappt. Überschreitet das einen bestimmten Punkt, kann es für alle Beteiligten äußerst unlustig werden.
      Auch für Dich, Ulrike.
      Je mehr Verlierer wir in der Gesellschaft haben, desto wackeliger wird unser Gemeinwesen. Menschen, die Angst haben, neigen oft entweder zu Resignation und Verzweiflung oder zu Aggression und Gewalt.
      Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem das eine oder andere erstrebenswert wäre.
      Weiter schreibst zu den Innovationen: „Es gibt doch nicht nur Positiv-Beispiele a ´la Steve Jobs oder Grafik-Computer. Es gibt genügend Beispiele die schlicht „in die Hose“ gegangen sind, bei deren für-Entscheidung sich die Menschen total verschuldet haben.“
      Mein Beispiel zielte nicht darauf ab, dass alle Innovationen funktionieren. Sondern dass sich manche Innovationen so radikal durchsetzen können, dass sich das gesamte Regelwerk verändert.

      Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Gedankengänge.
      Und auf meine Aussage, dass das Leben im Kern innovativ, experimentierfreudig und kreativ sei, antwortest Du: „Finde ich total plakativ und eigentlich falsch. Das Leben ist doch nicht kreativ! Es sind doch die Menschen, die beständig etwas Neues erfinden!“
      Selbst wenn „nur“ Menschen kreativ wären, so wären sie doch immer noch Teil des Lebens, und damit müsste das Leben doch auch kreativ sein, oder nicht?
      Aber unabhängig davon: Wie in aller Welt gelangst Du zu der Ansicht, das Leben samt seinen Hunderten von Milliarden von Pflanzen, Tieren, atemberaubenden Naturlandschaften sei nicht kreativ?
      Dann schreibst Du: „Wenn ich eine Erfindung … nicht gut finde, so bin ich doch nicht gleich Opfer! …oder Sklave!?!“
      Das mit der Sklaverei habe nicht ich behauptet. Sondern der Verfasser der Mail an mich.
      Auf meinen Gedanken, das Leben sei Vernetzung, antwortest Du mit einem eloquenten „Blödsinn! Vernetzung ist eine Art das Leben zu gestalten.“
      Du bist Dir schon darüber im Klaren, dass Du diesen Gedanken nur niederschreiben konntest, weil Dein Körper ein extrem vernetzter Organismus ist, der es nur durch Kooperation geschafft hat, dass Du Deine Worte in eine Tastatur eingeben konntest?
      Ganz zu schweigen davon, dass Du überhaupt nur deswegen einen Gedanken fassen kannst, weil Milliarden von Nervenzellen mit einander vernetzt arbeiten?
      Am Ende kehrst Du wieder zu Deinem Sieger/Verlierer Denk-Schablone zurück: „Was wollen wir denn gewinnen? Welchen Wettstreit? Gegen wen? – und: es gewinnt nur der Erste. Der Zweite ist schon unterlegen, wenn er nach vorne blickt…“
      Wir sind hier nicht in einem Wettrennen, Ulrike.
      Sondern wir leben in einer vernetzten Welt, in der alles miteinander zusammenhängt.
      Verliert jemand in dieser Welt, verlieren wir alle.
      So einfach ist das.
      Die Lösung ist deswegen in meinen Augen, dass wir beginnen, besser zu kooperieren.
      Und dass wir Strukturen schaffen, in denen möglichst viele Menschen gewinnen können.
      Je mehr, desto besser.

  5. Sven

    Hallo Martin,
    ich denke genauso.
    Aber das Denken vieler, so auch unter meinen Freunden und Arbeitskollegen ist die pure Angst vor Facebook / Whatsapp . Sie haben Angst das Sie dann kontrollierbar sind. Sie glauben anderen Menschen, die mal gesagt haben: „pass auf tu das nicht, du bist dann ein Sklave von denen bzw. bist kontrollierbar und gibst deine Freiheit auf“. Daher nutzen Sie erst gar nicht diese Netzwerke.
    Aber ich habe selbst gemerkt welche enorme Kraft und Schnelligkeit in whats app z.B. steckt. Man kann schnell einmal Bilder schicken bzw. ein WhatsApp Gruppe gründen.
    Man muß das Positive draus ziehen, dann wird die Sichtweise ganz anders.

    Antworten
  6. Alex

    hi martin
    kurz meinen senf zum blog…
    für mich ist die verteilung von gütern der knackpunkt und die wurzel des „übels“ (ey, bin atheist) in der welt. alle anderen konflikte ergeben sich hauptsächlich nur dadurch.
    sich über facebook, datenschutz etc. auszulassen, dafür ist noch später platz und ich habe keine bedenken das es auch dann noch genügend raum geben wird das jeder seine persönliche sau durchs dorf treiben kann, wird und darf.
    deinen ansatz teile ich und mache das schon länger so das ich in meinem umfeld so lebe und mit den menschen umgehe wie ich das gerne gesamtgesellschaftlich hätte. so weit das mir gelingt.
    (ist nicht immer einfach ;))
    das finde ich aber oft sehr unspannend und reib mich auch mal gerne oder werde utopisch:
    wäre ja theoretisch so einfach… alle lohnsklaven verweigern sich und die denen die achseln gepuschelt werden putzt niemand mehr die bude, macht den garten, hält den arsch hin oder was immer den „herrschaften“ gefällt.
    den allermeisten ginge es dann besser abgesehen von einem kleinen prozentsatz deren mißfallen ich wohlwollend in kauf nehmen würde
    die wichtigen dinge im leben sind meist sehr simpel, leider hapert es an der umsetzung..
    gruß,
    alex

    Antworten

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