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Wie mich eine Sinnkrise zu etwas Neuem geführt hat…

Autor

Martin Weiss

Datum

29 April 2016

Kategorien

Es wird Zeit für ein Geständnis: In den letzten Monaten habe ich unter einer herben Sinnkrise gelitten.

Warum?

Nun…

…ich bin seit November letzten Jahres, genauer: seit den Anschlägen in Paris, sehr nachdenklich geworden.

Was bringen uns all die schönen Coachingprozesse für mehr Glück, Erfolg und ein erfülltes Leben, wenn weltweit immer stärkere Verwerfungen auftreten?
Ich denke an die Eurokrise, Flüchtlingsströme, die Zunahme an Gewalt und den Rechtsruck in Österreich, USA, Frankreich, Polen, Ungarn und natürlich auch hier in Deutschland.

Leidet die Selbsthilfeindustrie unter Realitätsverlust?

Angesichts dieser Entwicklungen fragte ich mich, ob unsere Lebenshilfe- und Coachingbranche mit all ihren Glücksformeln und Selbstoptimierungs-Strategien möglicherweise einer Form von fortgeschrittenen Realitätsverlust zum Opfer gefallen war.

Keine netten Gedanken. Ich weiß.

Vor allem beschäftigte mich eine Frage: Was kann ich als Trainer & Coach auf gesellschaftlicher Ebene leisten, um die Welt zumindest an einer Ecke zu einem wirklich besseren Ort zu machen?

Eine erste Antwort war eine Webinarserie mit Coachingtechniken.

Aber reichte das schon?

Nein.

Meines Erachtens nicht.

Und so begab ich mich in den letzten Monaten auf die Suche nach weiteren Antworten.

Warum wählen die Menschen jemanden wie Donald Trump?

Zum Beispiel auf die Frage, warum Donald Trump in den USA so populär ist. Wieso wählen so viele Amerikaner einen Mann, der Waterboarding, Deportationen, die Ausgrenzung von Muslimen oder die Errichtung einer Mauer zwischen USA und Mexiko zum Wahlprogramm erhoben hat?
Meine Recherchen führten mich zu dem amerikanischen Psychologen Bob Altemeyer, der die Frage, warum bestimmte Menschen einen Hang zu autoritären „Führerpersönlichkeiten“ entwickeln, seit über 40 Jahren wissenschaftlich erforscht.

Seine Antwort ist so simpel, wie logisch: Wenn Menschen Angst haben, wenn sie sich also ohnmächtig und hilflos fühlen, sehnen sie sich nach einem starken Führer, der die Dinge wieder für sie richtet. (Ein paar Quellen: Hierhier und hier)

Das brachte mich zu der Frage: Wovor genau haben die Menschen Angst?

Was die Menschen wirklich umtreibt

Eine Antwort fand ich bei dem Politikwissenschaftler Francis Fukuyama, der (nicht nur) Trump Wahlerfolg so erklärt: „Populistische Parteien haben eine gemeinsame soziale Basis für den Aufstieg. Es sind nicht nur die unteren Schichten, es sind vor allem die alte Arbeiterklasse und die untere Mittelschicht, die an Boden verloren und Angst vor einer weiteren Deklassierung haben. Andere fürchten, sie würden komplett in die Armut abrutschen. Alle zusammen bilden die Gruppe derer, die in Amerika für Trump stimmen, in Polen für Kaczyński, in Ungarn für Orbán und in Frankreich für Marine Le Pen.“  (Quelle: Zeit Online)

Der Soziologe Prof. Dr. Heinz Bude vermutet, dass rund 25% der Deutschen von dieser Angst getrieben werden. (Quelle: FAZ)

Circa 12 – 15% zählen seiner Meinung nach zum „Dienstleistungsproletariat“ (Paketboten, Reiningungskräfte, Kassierer etc.), die monatlich 900 bis 1100 Euro netto nach Hause bringen. Zum Leben zu wenig, zum Streben zu viel.

Sie sehen in den Flüchtlingen die Konkurrenz, die ihnen die mager bezahlten Jobs streitig macht. Ob diese Sichtweise berechtigt ist oder nicht: Es ist kein Wunder, dass sie auf die Barrikaden gehen.

Die anderen 10% bilden die „Verbitterten der Mittelschicht“, die es trotz „guter Bildungsvoraussetzungen und hoher Leistungsbereitschaft“ nicht nach oben geschafft haben. Das so genannte „Prekariat“: Menschen, die in unsteten und unsicheren Jobs gefangen sind.

Zum Beispiel Studenten, die sich nach dem Abschluss von einem Praktikum zum Nächsten durchschlagen oder „Die Solounternehmerin aus dem Coachinggewerbe“ (O-Ton Bude).

Warum die „Verbitterten“ auf der Strecke geblieben sind? „Weil sie sich nicht genügend selbst vermarkten konnten oder dem rüden Wettbewerb nicht gewachsen waren“, meint Bude.

Wirtschaftliche Gründe müssen eher ausscheiden. Denn in Deutschland boomt es.

Allerdings klappt die die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auf.

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, bringt es in seinem jüngst erschienenen Buch „Verteilungskampf“ provokativ auf den Punkt: „Wer unten ist, bleibt unten“ (Quelle: Zeit Online)

Fratzscher befürchtet, dass rund 40% der deutschen Bevölkerung Gefahr laufen, abgehängt zu werden.

Was die Folgen sein können, möchte ich mir lieber nicht ausmalen: Vermutlich noch mehr Angst, noch mehr Fremdenhass, noch mehr Gewalt, noch mehr Krisen.

Aber eine Frage blieb indes immer noch unbeantwortet: Was kann ich denn nun als Trainer konkret beitragen?

Die nüchterne Bilanz meiner Studien: All die Politologen, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler können zwar anklagen und anprangern. Lösungsansätze gibt es kaum welche. (Ein beredtes Beispiel ist das Interview mit der Soziologin Cornelia Koppetsch in der Süddeutschen Zeitung: Brilliante Analyse, null Lösungsansätze).

So ehrenwert Ideen wie die „Reichensteuer“ oder das „bedingungslose Grundeinkommen“ sein mögen: Wir werden wohl noch viele Jahre warten müssen, bevor sie sich durchsetzen. Falls sie überhaupt je eine Chance bekommen.

Auch von der Politik sollten wir derzeit wenig erwarten. Die ist in meinen Augen mit all ihren Krisen einfach überfordert.

Ich glaube: Wir müssen die Sache selbst in die Hand nehmen.

Und nun Du: Schätzt Du die Lage auch so ein?

Was bewegt Dich bei dieser Thematik?

Schreibst Du mir, was Du denkst?

118 Kommentare

  1. Sven

    Hi Martin,
    ich denke genauso. man muß die dinge selbst in die Hand nehmen.
    Ich denke da an selbstcoaching der leute mit geld besser umzugehen und mehr selbstliebe um nicht im sturm der zeit unterzugehen und sich weiter von den medien und dem außen ablenken zu lassen, wie schlecht alles ist. die leute brauchen ihre eigenen visionen und ihre rückkehr zu ihren eigenen ursprünglichen Kräften. die sie im laufe der zeit verloren haben.
    gruß Sven

    Antworten

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